Tod der Autorin

„Erstwns bistu nicht meine Muum und zweitns, ich muss aufs Klo.“ Ich schaute, wer auch immer das gerade war, noch kurz nach, dann drehte ich mich zu Zu: „Wer war das?“ Zu zuckte nur kurz mit den Schultern und fragte mich zurück, was ich nochmal zu trinken wollte.

Während Zu uns irgendwas zusammen mischte, betraten zwei Kater in Anzügen das Zimmer. Ich unterhielt mich mit Zu gerade über meinen Text, den ich für die Uni abgeben sollte. Die Kater liefen auf ihren Hinterbeinen direkt zum Kühlschrank.

„Hey ihr Menschen, wäre eine von euch vielleicht so freundlich uns den Kühlschrank zu öffnen?“ Zu und ich schauten uns kurz fragend an, aber unterbrachen unser Gespräch nicht. Ich glitt vom Küchentisch, schob mich zum Kühlschrank und öffnete diesen. Mitten in unser Gespräch schob ich die Frage: „Sonne oder Fässla?“ ein, als wäre sie Teil unseres Gespräches. Die Kater wollten Fässla-Rot.

Wir redeten weiter über meinen Text, ich sollte einen Dialog schreiben, konnte es aber irgendwie nicht schaffen, ein interessantes Thema für den Dialog finden. Zu hatte zahlreiche Ideen: Die WM in Qatar, ein Liebesdreieck mit Androiden, Familien-Essen, aber entweder waren sie zu vage und ich konnte nichts Interessantes daraus machen oder sie waren zu spezifisch und es hätte sich nicht mehr nach meinem Text angefühlt.

Die Kater standen noch ein bisschen in der Küche, nippten an ihrem Bier und hatten anscheinend unserem Gespräch gelauscht, denn Kasimir, der Ginger-Kater, klingte sich kurz darauf ein: „Entschuldigen Sie mich, dass ich mich hier so einfach einmische, aber ich habe ein paar Fetzen ihres Gespräches überhört und haben sie es schonmal mit Meta ausprobiert?“ Ich verneinte diese Frage „Spätestens seit Rick, Morty und Deadpool macht jeder Metakommentare“. “Jaja, aber hast du schon auf die Uhr geschaut? Es ist schon nach 12, in weniger als 9 Stunden ist Abgabe und wie lange hast du jetzt schon über eine bessere Idee nachgedacht?“ Der andere Kater, Karl-Theodor-Der-II., stand vor uns und schaute mich entschuldigend an. Als würde er Kasimir kennen, wissen, dass er ein wenig schwierig sein konnte, und mir sagen wollen, dass man damit aber umgehen könne, umgehen müsse. Ich lächelte zurück und fragte mich, ob er der Protagonist eines besseren Dialoges seien könnte, über einen Kater der eine Mäusefamilie besucht, es könnte um Stereotypen gehen und alles wäre eine große Allegorie auf Rassismus oder so.

„Es wird nicht mehr besser als das, wird es?“ Kasimir schaute mich mit seinen großen Katzenaugen an.

Zu fragte mich, ob das mein Ernst sei, wo denn meine künstlerische Integrität liege, ob ich nicht wenigstens etwas Autobiographisches machen wolle. Sie hatte sich längst ausgemalt, wie ich irgendwann erfolgreiche Dramen schreiben würde und sie immer die Hauptrolle bei den Weltpremieren spielen würde, in Berlin, London oder New York auf den größten Bühnen stehen würde und Kritik und Publikum würden uns lieben. In ihr zerbrach eine Welt als ich mich zu ihr drehte und sagte: „Ich habe eine Deadline, Schatz:)“